Lageplan der Hütte Altenböddeken 1880 Johanne und Auguste Becker -
eine uneheliche Geburt in Altenböddeken


Was mit Johanne Becker (Mutter von Auguste Becker, verheiratete Ritzenhoff) nach der Geburt der Tochter passiert war, ließ sich lange Jahre nicht klären.

Wir konnten dank der Startinformationen von Rektor Dietrich ziemlich rasch die nächsten Schritte in der Ahnenliste gehen. Auguste Becker war in der Tat die uneheliche Tochter von Johanne aus Altenböddeken, geboren ihrerseits in Siebenstern und Tochter von Friedrich August Becker. Johanne blieb verschwunden.

In Altenböddeken war zu diesem Zeitpunkt eine Glashütte, die zum Besitz der weit verzweigten Familie Becker gehörte. Der rechts abgebildete Lageplan stammt aus einem unveröffentlichten Manuskript von K. Lippert von 1963.

Altenböddeken 2008 Darunter aus der gleichen Blickrichtung (Blick vom neu geweihten Glasmacherfriedhof - im Plan am unteren Ende) der Hof der Familie Klocke. Das Gebäude vorne rechts ist die Scheune, die auf den Fundamenten der Glasfabrik steht.

Als Johanne unverheiratet schwanger geworden war, schickte man sie - als es dann "soweit" war - nach Alt-Böddeken, damals eine Glashütte im Besitz eines Onkels, damit sie dort ihr Kind bekommen sollte. Wie so oft bei unehelichen Kindern gab es auch in unserer Familie Spekulationen, welcher hochwürdige Herr eventuell der Vater sein könnte, und man schrieb das Kind dem Erbauer des Herrmannsdenkmals im Teutoburger Wald bei Detmold zu. Joseph Ernst von Bandel, 1800 geboren, wäre zu dem Zeitpunkt bereits gut 50 Jahre alt gewesen, Johanne gerade mal 17, zudem soll Bandel zu der Zeit in Hamburg gewese sein - so dass meiner Meinung nach diese Geschichte getrost ins Reich der "Sagen" verbannt werden kann.

Lange Jahre haben wir nach Angaben darüber gesucht, wohin Johanne „verschwunden“ ist. Die Antwort kam schließlich aus den USA.

Patricia Reiser, geborene Becker, eine befreundete Forscherin aus den USA, hatte Kontakt zu Armgard Becker aufgenommen, einer älteren Dame in Bad Driburg, die in direkter Linie aus der Beckerfamilie stammte. Diese war im Besitz eines Familienberichts über die Nachfahren von Friedrich August (Wilhelm) Becker. Dies war besonders deswegen von Bedeutung, da sich in dieser Übersicht die verschiedenen Frauen von Friedrich Wilhelm und deren jeweiligen Kinder und Kindeskinder darstellten.

So kam, womit ich nicht gerechnet hatte: Unter den Nachfahrenangaben fand sich – ganz selbstverständlich – auch Johanne Becker. Sie hatte tatsächlich geheiratet, und in der Tat handelte es sich um einen Mann mit Namen Scheid – diesen Namen hatte man auch in dem einzigen Brief erwähnt, der Informationen über Auguste Ritzenhoffs Herkunft enthalten hatte. Allerdings war es kein Sägewerksbesitzer gewesen, den Johanne geheiratet hatte, sondern „nur“ ein Förster – dafür waren alle ihrs Söhne später Fabrikanten in Büren, vielleicht sind das die erwähnten Sägewerksbesitzer.

Am 21.08.1858, sechs Jahre nach der Geburt ihrer ersten Tochter, heiratete Johanne in Dringenberg einen Förster, der in Dringenberg und Alme, Büren tätig war. Sein Name war Albert Julius Werner Scheid. Er stammte aus Gehrden, einer Stadt im Landkreis Hannover, war dort 1930 geboren, und starb 1894 in Büren. Da auch Johanna dort gestorben ist und ihre Kinder dort zur Welt kamen, kann man davon ausgehen, dass die Familie dort gelebt hat – und vielleicht dort noch mehr über sie zu finden ist.

 

Johanne hatte mit Werner Scheid vier Kinder:

  1. Konrad Eduard Hermann (10.01.1860 Büren, altkatholisch, +30.06.1919 Büren) Holzfabrikant in Büren oo 30.05.1891 Lippstadt im Elternhaus der Braut mit
    Auguste Franziska Elisabeth Lucas (*28.11.870 Lippstadt, altkatholisch)
    Tochter: Auguste Johanna Elisabeth (*19.3.1892, Büren, altkatholisch) oo 5.10.1919 Büren mit Walter Brückner (*6.1.1893 Opladen) Kaufmann
  2. Johann Hubert Otto (*17.2.1863 Dringenberg, altkatholisch, +24.7.1936 Büren) oo 06.06.1982 Ludwigslust mit
    Marie Luise Amalie Olga Auffarth, (*13.10.1869, Ludwigslust, evangelisch)
    Kinder:
    Olga (*5.1.1898 Büren)
    Eduard Werner (*25.09.1904 Büren +Jan.1911 Büren)
  3. Gustav (*15.4.1866 Alme, Kreis Büren, altkatholisch, +18.5.1894 Büren) oo 08.09.1892 Soest i.W. mit
    Anna Hildegard Pape (*17.1.1865)
    Tochter:  Irmgard (*4.8.1893 Büren) oo 08.09.1892 Soest i.W. mit Dr. Josef Ebbers (*Büren) Staatsanwaltschaftsrat in Büren
  4. Mathilde Johanna (*7.5.1869 Alme bei Brilon) oo April 1894 Büren mit
    Hermann Schreyer (*11.4.1851 Berlin + Crefeld) Kaufmann
    Tochter: Johanna Auguste Schreyer (*29.6.1896 Crefeld) oo 21.12.1931 Crefeld mit Heinrich Ernst Voigt (*14.6.1901 Gera)

 

So schließt sich der Kreis. Mit der Entdeckung was aus Johanne Becker letzten Endes geworden ist, kommt man wieder bei Auguste Becker und ihrem Mann Hermann Ritzenhoff an. Vieles vieles ist noch unerzählt, und noch viel mehr unbekannt.

Sarepta Auguste entschloss sich dazu, Diakonisse zu werden und trat am 05. Juli 1870 in die Bodelschwingh'schen Anstalten ein.

Sie arbeitete in der Privatpflege und Krankenheimen, in Kinderschulen und der Gemeindepflege. Fünf Jahre später, im Oktober 1875 wurde sie als Diakonisse in der westfälischen Diakonissenanstalt Sarepta eingesegnet.

Allerdings scheint sie dies doch nicht als ihren Weg gesehen zu haben. Bereits im Jahr 1878 ist sie wieder ausgetreten und lebte in Barmen als "Kinderlehrerin".

Von da aus führte ihr Weg sie in die Ehe mit Hermann Ritzenhoff.