Familie Dobravolsky
Eines Tages taucht in den Shipping Lists der SS America, einem Schiff der Hamburg American Line der Name Josef Dobravolsky auf. Er emigrierte damals von Hamburg aus in die Vereinigten Staaten.
Die Hamburg American Line transportierte damals Tausende von Auswanderern über den Atlantik in eine - wie sie hofften - bessere Zukunft. Die Hamburg America Line, gegründet 1847, war die erste deutsche Dampfschifflinie, die den Altantik überquerte.
Zusammen mit Josef war auch eine Familie Oborsky an Bord, die wie es scheint, aus dem gleichen Ort stammte. Die Oborskys bekamen später eine Tochter, Helen, die Walters Frau wurde. Woher die Familie Dobravolsky stammt, ist bisher unklar. Zu verworren ist die polnische Geschichte.
Josef Dobravolsky (rechts) mit einer befreundeten Einwandererfamilie. Das Foto ist nach Angaben direkt nach der Einreise gemacht worden. Vermutlich handelt es sich bei der Familie um die Oborskys - den Eltern von Helen, der späteren Ehefrau von Walter Dobravolsky.
Josefs Frau, Paulina Rodwanski/Rudvanski, blieb damals zurück. Es kam häufig vor, dass zunächst einmal der Mann auswanderte, in der neuen Heimat nach Arbeit und Unterkunft suchte und seine Familie nachkommen ließ, wenn er die Basis für ein neues Leben geschaffen hatte.
Laut Angaben aus der Familie muss Paulina um 1913 ebenfalls ausgewandert sein, denn bereits 1914 wurde ihrer beider Sohn geboren, Walter Dobravolsky.
Dieses Foto zeigt die beiden mit ziemlicher Sicherheit in Boston, wo die Familie lebte.
Josef war Farmarbeiter gewesen - zumindest gibt er das in den Auswandererlisten so an. Als sein Vater taucht ein John Dobravolsky auf - und damit endet das Wissen um die Vorfahren von Walter Dobravolsky auch schon.
Viele Jahre später, im Jahr 1946, führt der Weg eines der Dobravolskys wieder zurück nach Europa.
Walter Dobravolsky, geboren 1914 in Boston, Mass., war als Soldat nach Deutschland gekommen. Mysteriös sind die Aufgaben, die er hier erfüllt hat.
Fest steht nur eins: Er arbeitete für den CIC, den Geheimdienst in Kriegszeiten. Als polnisch stämmiger Amerikaner sprach er Polnisch und war wunderbar dafür geeignet, als Ermittler auf den Schwarzmärkten eingesetzt zu werden. Ihn reizte diese Aufgabe.
Als er in Wildflecken stationiert war, lernte er meine Großmutter Ingeborg Ritzenhoff kennen, die damals als Schreibhilfe für die Amerikaner arbeitete.
Die Geschichte, wie sich die beiden kennengelernt haben, könnte einem romantisch verklärten Kriegsfilm entspringen. Ein greifbares Resultat dieser Geschichte ist meine Mutter Ulrike Meister. Das Ende war weniger romantisch. Er kehrte in die USA zurück und die beiden haben sich nie wiedergesehen.
Die Familie Dobravolsky in den USA wusste bis vor wenigen Jahren nichts von unserer "Existenz", mittlerweile gibt es einige Kontakte und im Herbst hoffentlich ein erstes Treffen.
| < Zurück |
|---|
Familie(n) Dobravolsky