Die Familie Dobravolsky in den USA - Angekommen


Antrag Einbürgerung - Joseph DobravolskyKurz nach der Ankunft von Pauline, Josefs Frau, in den USA  – laut Vordruck im September 1913 – füllt Josef einen Antrag auf „Naturalization“ aus, auf die Erlangung der amerikanischen Staatsbürgerschaft. Hier schreibt er sich bereits mit dem „offiziellen“ Familiennamen Dobravolsky.

Familie Oborski und ihr Ziel - Salem Street BostonLaut dem Ship Manifest hatte Pauline 1913 das Ziel 91 Salem Street in Boston. Dort lebt Josef wohl offensichtlich zu jener Zeit. Dies ist interessant, da die Familie Oborski, die mit Josef auf der S.S. America einwandert, 1912 als Ziel Karol Oborski in 92 Salem Street angibt – nur ein Haus von Josefs späterer Adresse entfernt. Er selbst hatte damals als Ziel einen Matenez Oryszewski in der Bond Street 624 in Boston genannt.

Die Salem Street liegt mitten in einem der ältesten Bezirke Bostons, der Nordstadt.

Heute liegen dort eine Vielzahl der touristischen Höhepunkte des ursprünglichen Bostons. Damals war es – nachdem die ersten Siedler in die besser gelegenen Teile der Stadt gezogen waren – jener Bereich, in dem die Einwanderer Quartier bezogen. Erst Juden, dann Italiener, Polen, Russen. Die Gegend lag nahe am Hafen, die einfachen Leute fanden dort Arbeit, unter ihnen auch Josef, der zu jener Zeit im Hafen als Schiffsentlader arbeitete.

 

Adressangabe aus Einbürgerungsantrag - 22 Draent Street, Dorchester
(Adressangabe aus Einbürgerungsantrag - 22 Draent Street, Dorchester)

Ziemlich rasch scheint die Familie umgezogen zu sein – kein Wunder, Josef brauchte nun mehr Platz um seine Frau und den Sohn unter zu bringen. In dem Antrag auf Einbürgerung gibt er an, in der Draent Street (?) in Dorchester, das seit 1870 ein Stadtteil von Boston war. Dort siedelten seit ca. 1890s Polen, Juden, Litauer, Italiener und Franko-Kanadier.

WW1 - Ausschnitt aus der Registrierungskarte von Joseph Dobravolsky
(WW1 - Ausschnitt aus der Registrierungskarte von Joseph Dobravolsky)

Hier – dies ist die Registierungskarte aus dem ersten Weltkrieg – leben sie in Boston, 21 Gold Street.


Adressangabe 1925,
(Adressangabe 1925)

1925 wohnen sie in 228 Mainstreet in Medford, ein Jahr darauf in der 282 Parkstreet.


Auszug aus der Registrierungskarte von Joseph Dobravolsky
(Auszug aus der Registrierungskarte von Joseph Dobravolsky)

Aus der Registration Card und den Adressbüchern geht hervor, dass Joseph in jenen Jahren bei der Eisenbahn gearbeitet hat. 1917 als Fireman 25 bei der B.&N.H. Railroad, 1925 bei der B.&M.R.R. und schließlich als Bremser 1926.


Pauline DobravolskyPaulines Tod

Irgendetwas ist in jenen Jahren geschehen. Was genau wissen wir nicht. Es gehört zu den gut gehüteten Geheimnissen jener Familie – wie so manches andere auch.

Pauline Dobravolsky wird zuletzt in den Volkszählungsunterlagen von 1930 zusammen mit ihren beiden Söhnen John J. und Walter genannt.

Zu dem Zeitpunkt leben sie in der Salem Street in Medford City, Middlesex, Mass.

1930 - Ausschnitt aus den Census-Unterlagen Medford City, Pauline, John und Walter DobrvolskySie wird nicht als "Wife" genannt sondern als "Head - H", was bedeutet, dass sie Haushaltsvorstand war. In den Familiengeschichten wird nichts über eine offizielle (oder inoffizielle) Trennung der beiden erwähnt. Dennoch fällt auf, dass eine Nennung von Joseph fehlt.

Zur gleichen Zeit wird in den Volkszählungsunterlagen für Boston ein Joseph Dobravolsky aufgeführt, der 1912 in die USA eingereist ist. Er gibt an polnischer Herkunft zu sein, unverheiratet, 36 Jahre alt. Unter der Adresse Albany Street in Boston lebt dieser Joseph als "Lodger" - Untermieter. Ohne es nachweisen zu können nehmen wir an, dass dies "unser" Joseph ist, der auf Arbeitssuche in Boston war, allerdings halten wir dies für gut möglich.

Zeitungsartikel - Tote im Charles-River gefunden Pauline verschwindet aus der Familiengeschichte und die Familiendaten geben an, dass sie 1930 zu "Tode kam", hinter vorgehaltener Hand hieß es, es wäre Suizid gewese. In der Tat wird  am 25.12.1930 eine Tote aus dem Charles River gezogen. Zunächst gelingt es nicht, die Tote zu identifizieren, also bringt man sie in die Northern Mortuary, wo man hofft, dass sich jemand findet, der sie kennt.

Diesen Zeitungsartikel finden die Forscher der NEHGS bei ihrer Suche nach Unterlagen über Pauline.

Ob es tatsächlich „unsere“ Tote ist, das bleibt unklar.

Die Familiennachkommen geben an, weder von der Größe noch von der Beschreibung des Aussehens her könne es sich um Pauline gehandelt haben. Wie in dem Artikel beschrieben wird, fehlt der Toten ein Teil des Mittelfingers an der rechten Hand. Bei einer wohl schon älteren Amputation wurde die Fingerspitze entfernt. Niemand kann sich daran erinnern, das dies bei Pauline der Fall gewesen ist.

Dieser Schlag hat die Familie wohl zerrissen. Bekannt ist, dass einer der beiden Söhne von Pauline und Josef seinen Namen änderte und aus dem Leben der Familie völlig verschwand. Unklar ist, ob dies in Zusammenhang mit dem Tod der Mutter stand. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei diesem John Goodwill, der 1980 starb, um „unseren“ Jan (amerikanisch John), der 1913 mit seiner Mutter an Bord der Laconia in die USA einreiste. Sein Geburtstag stimmt, allerdings hat er 1916 angegeben.