Pauline Dobravolsky

Wo ist Pauline Dobravolsky geblieben?

 

Über lange Jahre hat uns die Frage, wie und wann Pauline Dobravolsky, Josefs Frau in die USA gekommen ist, beschäftigt. Wir konnten über die Schiffslisten von Ellis Island keinerlei Angaben über sie finden. Auf die Idee, dass sie unter Umständen gar nicht über Ellis Island eingereist ist, kamen wir zunächst gar nicht.

Am 13. Juni 2005 entschlüsselte sich dann endlich auch dieses Geheimnis: In den Unterlagen eines amerikanischen Anbieters genealogischer Dokumente fand Lisa Coultrup die Angaben zu einer Pauline Dobrowolsky, die im Jahre 1913 über Boston in die USA eingereist war. Konnte es möglich sein, dass dies unsere Langgesuchte war? Im Grund wäre dies eine für die Familie logische Entscheidung gewesen: Josef lebte und arbeitete in Boston. So konnte er seine Frau abholen ohne die Reise nach New York auf sich nehmen zu müssen.

Pauline Dobravolsky, SchiffslisteNach kurzem Suchen und Überprüfen des Ship Manifests war klar: Es handelte sich tatsächlich um die Ehefrau von Josef Dobravolsky.

Sie war am 20. September 1913 in Liverpool an Bord des Schiffes S.S. Laconia gegangen. Bei ihr war ihr Sohn, in den Listen „Jan“ genannt. Seine Altersangabe ist unleserlich, man kann aber vermuten, dass er nur knapp ein Jahr alt gewesen sein kann, da als Geburtsdatum von Josefs und Paulines Sohn in der Regel September 1912 angegeben wird.

Pauline Dobravolsky, Angaben zum Reiseziel, Ehemann Josef DobravolskyDer entscheidende Hinweis dafür, dass es sich bei der Gefundenen tatsächlich um „unsere“ Pauline handelte, war neben der Tatsache, dass sie das „richtige“ Kind bei sich hatte, vor allem das von ihr angegebene Ziel in den Vereinigten Staaten. Sie wollte zu ihrem Mann nach Boston, einem Mann namens Josef (oder Jozef) Dobraowolsky. Zu der Zeit fällt auf, dass sie sich noch nach der eigentlichen – der polnischen – Schreibweise ihres Nachnamens richteten.

Aus welchem Grund Pauline über Liverpool ausgereist ist, wissen wir nicht. Vermutlich ist diese Frage aber genauso sinnvoll – oder sinnlos – wie die Frage, warum Josef Europa gerade über Hamburg verlassen hat. Vielleicht lag es daran, dass man von Liverpool aus direkt nach Boston reisen konnte, und sie nicht von New York aus noch nach Boston weiterreisen musste.

Wie es scheint, gab es nicht wenige Auswanderer aus Kontinentaleuropa, die nicht in Hamburg abfuhren, sondern mit einem Fährschiff zum Nordseehafen Grimbsy an der englischen Ostküste gebracht wurden, um von dort aus den Zug nach Liverpool zu besteigen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie in der Regel ihre medizinischen Kontrollen und die Reisepass- und Überfahrtkontrollen schon hinter sich. Aus einem Fahrplan von 1906 geht hervor, dass die Reise von Hamburg nach Grimsby 32 Stunden dauerte.

Die Emigranten fuhren an der Bahnstation ab, die den Auswandererkais am Nächsten lag. Die Fahrt von Grimsby nach Liverpool selbst dauerte dann nochmals etwa 5 Stunden.

chiffsliste Pauline Dobravolsky, in der Heimat nächster VerwandterOffenbar hatte Josef neben der weiterhin mysteriösen Schwester Maria einen Bruder namens Wladislaw Dobrawolsky, der in Polen geblieben war.

Als Ort taucht „Goluwey“ auf, zumindest lesen wir das derzeit so. Da es nicht sehr Polnisch klingt, geht hier die Suche weiter.

Taufschein Walter Dobravolsky Ihn gibt Pauline als Heimatadresse an – und vermutlich nach ihm benennen Pauline und Josef ein Jahr später ihren Sohn Walter – Ladislaus.

Geblieben ist offensichtlich auch der Kontakt zur Familie Oborski, mit der Paulines Mann Josef auf der Überfahrt zusammen gewesen war.

Cesaria Oborski wird später Taufpatin von Walter,  zusammen mit einem Michael Zielinski, den wir nicht mehr auffinden konnten.


Die S.S. Laconia  - und die Cunard Line

 

Pauline reiste auf der S.S. Laconia, einem zu der Zeit gerade mal zwei Jahre altem Schiff der Cunard Line.

Die Laciona war erst 1911 in Dienst gestellt worden, ein Jahr nach ihrem Schwesterschiff der Franconia. Sie waren dafür vorgesehen, den größten Teil des Jahres auf den Cunard Routen zwischen Liverpool und Boston zu verbringen, während der Wintermonate jedoch als Handelsschiff zwischen dem Mittelmeer und New York eingesetzt zu werden.

Die beiden Schiffe waren in dem damals typischen Design gehalten gewesen, und genügten damals höchsten Sicherheitsstandards. Sie waren die ersten Schiffe ihrer Bauart, die über einen Gymnastikraum verfügten und in den Speiseräumen mit beweglichen Stühlen ausgestattet waren (also nicht fest geschraubt).

Die Laconia bot Platz für etwa 250 Passagieren der ersten Klasse, 450 der zweiten und 2000 Reisenden der dritten Klasse, zusätzlich noch etwa 450 Crew-Mitglieder und Offiziere. Die öffentlichen Räume der ersten Klasse waren auf dem Bootsdeck. Zu diesen Räumen gehörte ein Schreibzimmer, eine Lounge, ein Rauchzimmer und Verandacafé sowie der Fitnessraum. Der Hauptspeisesaal mit seinen Balkonen lag zwei Stockwerke tiefer im C-Deck. Die Kabinen der ersten Klasse, die – als große Neuerung – über fest montierte Waschbecken  verfügten, hatten sogar fließendes Wasser, während die Kabinen auf den B-, C- und D-Decks noch mit Wasserkannen und Schüsseln vorlieb nehmen mussten.

Stapellauf der Laconia war am 27. Juli 1911, sie verließ die Werft am 10. Dezember mit Ziel Liverpool. Ihre Jungfernfahrt hatte sie am 20. Januar 1912 von Mersey mit dem Ziel New York. Die Cunard Line hat ihren Ursprung im Jahr 1838 als der kanadische Geschäftsmann Samuel Cunard, zusammen mit Robert Napier, James Donaldson, George Burns und David MacIver die British and North American Royal Mail Steam Packet Company gründeten und die Rechte für eine transatlantische Schifffahrtsgesellschaft zwischen England und Nordamerika bekamen.