Nacks auf dem Weg in die USA


1852 wanderte ein Johann Melchior Nack mit seiner Frau Anna Maria geb. Cott in die Vereinigten Staaten aus. Aus uns bisher nicht bekannten Gründen blieb "mein" Nack, ihrer beider Sohn Heinrich Christian Nack in Deutschland.

Es gibt im Besitz eines entfernten Verwandten eine Auswanderungskiste, die den Namen Heinrich Christian trägt. Ist er ausgewandert und zurück gekehrt? Oder hat er sich letzten Endes doch zum Bleiben entschlossen? Die Frage bleibt ungeklärt.
Auswanderung Melchior Nack

Die Nacks reisten als Familienverband - in diesen Jahren die bei weitem überwiegende Art der Auswanderung. Auf sich gestellt, ohne feste Anlaufpunkte (es gab damals weder eine organisierte Abreise noch Ankunft, ebenso gab es damals noch keine caritativen Auswanderungsorganisationen), war es am Sichersten, in der Geborgenheit einer kleinen oder größeren Gruppe von Familienmitgliedern zu reisen.

Insgesamt finden sich in den Unterlagen der National Archives der USA (NARA) unter der Listennummer 6956 der Highland Mary vom 1. Juni 1852 vierzehn Mitglieder der Familie Nack.

Durch die Abschrift der Listen entstand ein Übertragungsfehler, der ein Auffinden zunächst nicht unbedingt einfach machte: Aus "Nack" wurde "Stack".

Als Passagiere fanden sich auf dem Schiff Highland Mary folgende Nacks:

Nacks in der Liste von Castle Garden

* Melchior Nack - Alter: 53 - Beruf: Farmer (Johann Melchior Nack)
* Anna Maria Nack - Alter: 53 - Beruf: unbekannt (Anna Maria Nack, geborene Cott)
* Christine Nack - Alter: 47 - Beruf: Servant, Gentleman's Servant (Beziehung zur Familie unbekannt)
* William Nack - Alter: 10 - Beruf: unbekannt (Friedrich Wilhelm Lorenz Nack, Sohn von Melchior und Anna Maria)
* Ernst Nack - Alter: 10 Monate - Beruf: unbekannt
* Wilhelmine Nack - Alter: 12 - Beruf: unbekannt (Johanna Wilhelmine Nack, Tochter von Melchior und Anna Maria)
* Gottlieb Nack - Alter: 12 - Beruf: unbekannt (Beziehung zur Familie unbekannt. Evtl ein bisher unbekannter Sohn der Eheleute Melchior und Anna Maria)
* Susannah Nack - Alter: 22 - Beruf: Seamstress (Susanne Rosine Nack, Tochter von Melchior und Anna Maria)
* Sophey Nack - Alter: 24 - Beruf: unbekannt
* Christopher Nack - Alter: 24 - Beruf: unbekannt (Beziehung zur Familie unbekannt. Evl.Sohn von Gottlieb Nack)
* Daniel Nack - Alter: 28 - Beruf: unbekannt (Johann Daniel Nack, Sohn von Melchior Nack und Anna Maria)
* Gottlieb Nack - Alter: 45 - Beruf: Farmer (Beziehung zu Melchior unbekannt, evtl Bruder)
* Martha Nack - Alter: 47 - Beruf: unbekannt

Aufgrund der Altersangaben kann man vermutlich davon ausgehen, dass es sich bei Melchior und Gottlieb Nack um Verwandte (Geschwister oder Cousins?) handelte, die mit ihren Familien den Entschluss gefasst hatten, die Heimat zu erlassen.

Aus den Zensusunterlagen (1870 aus Sheboygan), in denen die Nacks aus der Shipping List als Einwohner von Sheboygan wieder auftauchen, kann man auf folgende Familienzusammenhänge schließen:

Christoph (Nr. 11) und Sophie (Nr. 10) waren verheiratet. Der Säugling Ernst, (Nr. 5) der zum Zeitpunkt der Einreise erst 10 Monate alt ist, war der Sohn der beiden.

Vor 1892 geschah die Einwanderung nach New York noch nicht über Ellis Island, das erst am 1. Januar 1892 mit der Einreise der ersten Einwanderin eröffnet wurde. Es gab noch diverse andere Stellen und Wege.

Bis zum Jahr 1855 geschah gar nichts. Die Passagiere verließen ihr Schiff einfach im Hafen, erledigten die notwendigen Zollprozeduren und machten sich auf den Weg zu ihrem Ziel.  Ab 1820 begann man, die Passagiere in Listen zu erfassen.

Erst 1855 begann man mit der Eröffnung von Castle Garden als erster offiziellen Einwandererstation die Gruppen der Zuwanderer systematisch zu "kanalisieren".

Zeitungskopf Allgemeine Auswanderer-Zeitung Wie Heinrich Christian von der sicheren Ankunft seiner Familien in den USA erfahren hat ... auch das bleibt ungeklärt. Zu diesem Zeitpunkt gab es nicht sehr viele Möglichkeiten: Er konnte auf eine Nachricht per Brief warten, wobei die Familie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit andere Dinge im Kopf hatten, schließlich mussten sie zunächst ihr Überleben sichern, oder er versuchte an eine der verschiedenen Auswanderungszeitungen zu kommen, die unter anderem in Rudolstadt veröffentlicht wurden.

Sie erschien 1852 bereits im sechsten Jahr und berichtete über die Zustände auf Schiffen, über Entwicklungen und rechtliche Regelungen der deutschen Staaten - und über Schiffe, die in den Häfen zur Beladung aufgerufen waren, die abgesegelt waren, und danach über Meldungen aus den Zielhäfen über Ankunft der Auswandererschiffe. Immer wieder erschienen auch - meistens eher kurze - Meldungen über Schiffe, die leck schlugen und umkehren mussten, die mit schweren (Sturm-) Schäden in den Häfen ankamen - oder auch Zahlen von Toten.

Abfahrt der Highland Mary aus Bremen 1852Nachdem am 15.4.1852 die Meldung erschien, dass die "Highland Mary", das Schiffe, auf dem die Nacks segelten, den Hafen von Bremen unter dem Kommando eines Kapitäns Sayers mit Ziel New York verlassen hatte, lag ein weiter Weg vor ihnen. Man rechnete mit einer Reise von 30 bis an die 100 Tagen. Zur Zeit der Segler war die Dauer von vielen Faktoren ab: Windsituation, vorherrschendes Wetter und Jahreszeit. Nicht selten stand in der Zeitung die Meldung, das eine oder andere Schiff sei im Eis eingeschlossen gewesen. Aus diesem Grund überlegte jeder Kapitän sorgfältig, ob er die schnellere Nordroute oder die längere, aber dafür eisfreie Südroute wählen sollte.

Newyorker Schiffs-Liste No.75 - Ankunft der Highland Mary in New York "Meine" Nacks hatten offensichtlich Glück. Am 26.06.1852 erschien in der Allgemeinen Auswanderer-Zeitung die "Newyorker Schiffs-Liste No. 75", in der die "Highland Mary" wieder verzeichnet war. Nach einer Reise von 51 Tagen war das Schiff mit 194 Passagieren in New York angekommen. Dieses Mal wird die "Highland Mary" als "britische Bark" bezeichnet.

Obwohl ich von der sicheren Ankunft wusste, hatte ich doch die Volkszählungsunterlagen der Nacks aus den USA zuvor gesehen, war ich dennoch erleichtert - und empfinde eine gewisse Dankbarkeit für dieses Schiff und seinen Kapitän.

Wilhelmina, die jüngste Tochter des Johann Melchior, verbrachte ihren Lebensabend mit der Urgroßmutter eines "Fellow-Nack-Researchers" in den USA. Ihr Spitzname war Minna, und sie erzählte von einer langen Überfahrt mit vielen Stürmen. Wenn sie mit dem Schiff 5 Meilen voran gekommen waren, hätte der Sturm sie 10 Meilen wieder zurück geworfen. Anders als Minna es in Erinnerung hatte, war die Highland Mary kein Clipper.

Warum es sie nach Wisconsin zog, in eine junge Stadt mit Namen Sheboygan, wissen wir nicht. Wahrscheinlich reisten sie auf dem Weg, den die meisten Auswanderer mit Ziel Wisconsin nahmen: Den Hudson hinauf nach Albany, dann nach Buffalo am Erie Canal entlang und von da aus dann per Schiff über die Great Lakes nach Sheboygan. Es war eine beliebte Route, denn per Schiff konnte man den langen Landweg entlang des Seeufers umgehen. Die Great Lakes waren allerdings auch für ihre Unglücksfälle bekannt - unter anderem auch der Brand auf dem Dampfer "Erie", der durch Fontanes Ballade bekannt geworden ist (zur Ballade und der Geschichte der Dampfschiffahrt auf den Great Lakes siehe meinen Artikel auf Zauberspiegel-online. - Mit diesem Link verlässt man die Seiten von Bettina-meister.de).